Unser Wild ist nicht an allem schuld!

Stärker denn je gibt es aktuell Diskussionen rund um unsere Schalenwildbestände und deren Einflüsse auf den Wald. Der Slogan „Wald vor Wild“ beschäftigt nicht nur Forstwirte und Jägerschaft sondern ist mittlerweile auch in der Politik und in unserer Gesellschaft Thema.

Vor allem die Veränderungen in der Forstwirtschaft beschäftigen uns Jäger. Windwurfgebiete, Trend zur Naturverjüngung, Grünlandverlust und Verwaltung sind wesentliche Gesprächsthemen.

In Gebieten mit einem stabilen Schalenwildbestand muss von uns Jägern der Abschuß so gewählt werden, dass der jährliche Zuwachs abgeschöpft wird und die Schalenwilddichte dem Lebensraum angepasst bleibt.

Losgelöst davon, dass es unsere jagdliche Aufgabe ist, für einen gesunden und angepassten Wildbestand zu sorgen, sind auch Wildschäden – in einem gewissen Rahmen – ein natürlicher Prozess in unserem Ökosystem. Ökologisch besteht ein Wald immer aus Pflanzen und Tieren! Selbstverständlich kann das Wild nicht für jede abgestorbene Pflanze verantwortlich gemacht werden – es gibt zahlreiche weitere biotische (z.B. Insekten, Pilze, Weidevieh, Mäuse) und abiotische Faktoren (z.B. Trockenheit, Lichtmangel, Nässe, Hagel, Frost), die das Aufkommen der Verjüngung verzögern oder gar verhindern können.

Ob die Wildeinwirkung auf die Waldvegetation aber tatsächlich als ein Schaden zu beurteilen ist, hängt von den Zielsetzungen des Menschen ab.

Ein Schaden ergibt sich grundsätzlich aber erst aus der Sicht des Geschädigten. Nicht jeder vom Schalenwild verbissene Trieb bedeutet Schaden für den Baum und nicht jeder geschädigte Baum bedeutet Schaden für den Waldbestand. Unter waldbaulichen Gesichtspunkten ist es aber wichtig den Bestand an Schalenwild kritisch zu hinterfragen.

Dem Trend zur Naturverjüngung kann einiges abgewonnen werden. Bei dieser Form der Wiederbewaldung wird in einem Zeitraum von maximal zehn Jahren ein gesicherter Bestand durch Samen, Stock- oder Wurzelausschlag angestrebt. Naturnahe Forstwirtschaft bedeutet im Einklang mit der Natur zu wirtschaften, aber auch Naturverjüngung zu fördern und die Potenziale vorhandener standortsgerechter und klimatoleranter Altbestände zu nutzen.

Naturverjüngung bietet beachtliche Vorteile gegenüber einer Aufforstung: ungestörte Wurzelentwicklung, bessere Vitalität und Stabilität der Bäume sowie geringe Kulturbegründungskosten. Eine Naturverjüngung ist aber nur dann möglich, wenn die gewünschten, sinnvollen Baumarten im Altbestand vorhanden sind. Neue Baumarten kann man bei einer Naturverjüngung nur mit zusätzlicher Aufforstung einbringen.

Gegenseitiges Verständnis und ein ganzheitliches Denken ist die Basis für ein funktionierendes Ökosystem.

 

JAGAHANS

 

Foto:  www.pixabay.com

 

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