der verlorene Tod – die gesellschaftliche Verdrängung des Todes schadet der Akzeptanz der Jagd

Liebe Leserinnen und Leser!

Eines der größten Spannungsfelder zwischen Jagd und Gesellschaft ist das Thema „Töten von Tieren“. Sachargumente und vernünftige Gründe werden in unserer oberflächlichen und generalisierten Zeit nicht gehört bzw. ignoriert. Warum ist das so?

Fr. Heike Dambly versucht mit ihrem Beitrag diese Frage zu beantworten.

Vielen Dank für den zur Verfügung gestellten Beitrag!

JAGAHANS

 

 

Der verlorene Tod – Eine Betrachtung der Gesellschaft in ihrem Verhältnis von Jagd und Tod

 Artikel von Heike Dambly

Die Jagd und die damit verbundene Tötung von Tieren steht in der Entwicklungsgeschichte beginnend als Normalität der Nahrungsbeschaffung über das Trainieren von Fertigkeiten und der Feudaljagd als Vergnügung bis hin zur heutigen sowohl Hege und Pflege aber auch als elitärer Beschäftigung einiger Weniger in zunehmender Kritik und gesellschaftlicher Ablehnung.

Zur Frage steht: Gibt es eine mögliche Kongruenz der gesellschaftlichen Ablehnung der Jagd im europäischen und speziell deutschsprachigen Kulturraum mit einer zunehmenden Ausblendung des Todes als Lebensbestandteil?

Eine gesellschaftliche Verleugnung des Todes hat sich in hiesigen Breiten entwickelt. Wir haben nunmehr eine Gesellschaft, die nicht mehr bereit ist, die Folgen ihres Handelns zu akzeptieren.

Der Tod als Bestandteil des Lebens und dessen unmittelbare Konsequenz findet in vielfältigen Ritualen seinen Ausdruck, immer versucht das Ritual ihn, den Tod, erträglich zu gestalten. Sei es als unmittelbarer Trost oder als Brücke für den Einzelnen, ihm den Schrecken für das unausweichliche eigene Schicksal zu nehmen.

In der arbeitsteiligen, selbst am Lande mit der Natur verbundenen Gesellschaft hat eine Abwendung vom Tod stattgefunden.

Wenn der Tod schon nicht verhindert werden kann, so kann er doch zumindest verleugnet werden. Eltern wie Verwandte müssen die letzten Stunden ihres Lebens im Krankenhaus verbringen, vollorganisiert und in sicherer Distanz von den Verbleibenden. Unmittelbar nach dem Tod findet die Entsorgung statt. Die früher übliche Aufbahrung Zuhause und die Todeswache entfällt, der letzte Gang soweit als möglich abgekürzt. Denn der Tod wird aus unserem Leben verdrängt. Es fehlt die Achtung und der Respekt, dass das Sein keine Statusstabilität hat.

Der omnivore Mensch ernährt sich insbesondere in unseren Breiten von Fleisch. Wo früher am Lande öffentlich geschlachtet wurde, die ganze Familie an der Verarbeitung des Schlachtkörpers teilnahm, findet heute die Begegnung mit dem Braten an der Kühltruhe des Supermarktes statt. Bereits mit Schutzgas hygienisch verschweißt. Wie archaisch und lebensfremd mutet da der Jäger an, der mit der Büchse in den Wald zieht, mutwillig das wehrlose Wild tötet und der Gesellschaft auch noch die grausame Existenz des Todes vorführt.

Denn die Jagd hält dem Menschen etwas vor, was er ignoriert und es ihm unangenehm ist, sich damit auseinanderzusetzen.

Ein Jäger tötet.

Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nun besonders im deutschsprachigen Raum eine fast klerikale Ablehnung der Jagd entwickelt. Beginnend mit der Verstädterung der Gesellschaft und der damit verbundenen Entfernung von der Natur: die als Tier unkenntlich im Supermarkt zum Verkauf unter Schutzatmosphäre auf Küchenpapier und einer Schale folienverschweißten Fleischstücke über die Vermenschlichung des Tieres bis hin zur Isolierung des Sterbens und der Ausgrenzung des Todes aus dem täglichen Leben. Es stellt sich nun die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und der zunehmenden Stigmatisierung der Jagd.

Deutlich wird dies in einer Gegenüberstellung von

  1. die die Jagd maßgeblich beinflussenden Eckpunkte der Jagdgeschichte und ihrem gesellschaftlichen Ansehen mit
  2. der Geschichte der Todesritualität in verschiedenen Kulturen (wobei eine Geschichte über den Umgang mit dem Tod auch eine Geschichte der Beerdigungskultur ist).Die Darstellung von Todesritualen als Ausdruck des religiös kulturellen Verhältnisses zum Lebenskreislauf sollen beispielhaft für naturferne und -nahe Kulturen und deren Entwicklung stehen. Die Todesritualitäten haben entsprechend ihres Kulturkreises die unterschiedlichsten Ausprägungen erfahren. Religiöse Konzepte, Klima, Geographie und Herrschaftsstrukturen haben die Grundlagen gebildet, evolutionsgeschichtliche und zivilisatorische Einflüsse deren Entwicklung bedingt.
    Auch diese Todesritualitäten unterliegen einer zivilisatorischen Entwicklungsgeschichte, die das kulturelle Verhältnis zum Tod ausdrücken

    Meine These

    Mit zunehmender gesellschaftlicher Verdrängung des Todes aus dem Leben nimmt die Akzeptanz der Jagd und die damit verbundene Tötung des Tieres ab. Möglicherweise findet sich in diesem gedanklichen Ansatz und einer Bewusstseinsmachung des immer fortwährenden Kreislaufes von Leben und Tod ein Weg der Jagd zurück in die Mitte der Gesellschaft. Denn der Tod ist ein untrennbarer Teil des Lebens

Artikel von Heike Dambly

 

Foto: www.pixabay.at

 

 

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